Fotografie Grundlagen (Teil 1)

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Fotografie Grundlagen Teil 1

Du hast dir deine erste Kamera zugelegt, drückst voller Begeisterung auf den Auslöser, betrachtest das Bild und stellst fest "Ach da hätte ich auch bei meinem Handy bleiben können".

Der Grund dafür, dass das Bild nicht so schön geworden ist, wie du es dir gewünscht hast, kann sein, dass du die Grundlagen der Fotografie noch nicht beherrschst. Aber keine Sorge, du kannst sie schnell lernen.

Wenn du verstehst, wie sich die Blende, die Belichtungszeit und ISO auf dein Bild auswirken, kannst du schon viel beeinflussen.

Du findest im Folgenden alle drei Begriffe erklärt. Wenn du ganz am Anfang stehst und sagst, dass du einfach schnell starten möchtest und dich zu viele Informationen nur ablenken, dann lese nur das Basiswissen. Bist du gleich neugierig auf ein paar weitere Details, dann wirf einen Blick auf das Wissen für Fortgeschrittene.

Blende

Basiswissen

Die Blende bestimmt, wieviel Licht auf deinen Sensor kommt. Sie ist die Öffnung in deinem Objektiv, durch die das Licht geleitet wird. Je größer die Blendenöffnung ist, desto mehr Licht kommt auf den Sensor. Auf deiner Kamera ist die Blende mit einer kleinen Zahl dargestellt z.B. f1.8 . Hier kann man leicht durcheinanderkommen, denn je kleiner diese Zahl ist, desto größer ist die Blendenöffnung. Die größtmögliche Blendenöffnung (die sogenannte Offenblende) ist durch das Objektiv bestimmt.

Zudem beeinflusst die Blende, wie scharf oder unscharf dein Vorder- und Hintergrund sind. Hier gilt die Faustregel: Je größer die Blendenöffnung ist (also je kleiner die f-Zahl), desto unschärfer werden Vorder- und Hintergrund. Man spricht hier von dem sogenannten Schärfebereich, der mit größerer Blende kleiner wird. Alles was in diesem Schärfebereich ist, ist scharf und alles was außerhalb dieses Bereiches ist (also der Vorder- und der Hintergrund), ist unscharf.

Möchtest du also, dass dein gesamtes Bild scharf ist, musst du die Blende möglichst weit schließen und damit deinen Schärfebereich vergrößern.

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Fortgeschrittenen Wissen:

Wenn du eine große Offenblende hast und damit der Hintergrund schön unscharf ist, beeinflusst die Form der Blende, wie das Bokeh bzw. die Unschärfekreise aussehen. Um ein möglichst schönes Bokeh zu bekommen probieren die Objektivhersteller deshalb oft die Blendenöffnung so rund wie möglich zu bekommen.

Von der Faustregel im Basiswissen gibt es im realen Leben eine Abweichung. Jedes Objektiv hat einen bestimmten Bereich, in dem es am schärfsten abbildet. Nach der oben beschriebenen Regel sollte man denken, dass die Abbildung immer schärfer wird, je weiter wir die Blende schließen. Bezogen auf den Vorder- und Hintergrund stimmt das auch. Für das Objekt im Schärfebereich stimmt das allerdings nur bedingt. Denn an den Rändern der Blendenöffnung wird das Licht gebeugt, so dass es nicht mehr an der Stelle auf den Sensor trifft, wo es treffen sollte (vereinfacht gesprochen). Man spricht hier von der Beugungsunschärfe. Je kleiner also die Blendenöffnung ist, desto eher wird das Licht gebeugt und desto eher entsteht auch eine gewisse Unschärfe.

Zudem entstehen Abbildungsfehler (Aberrationen) an den Rändern der Linse, die wiederum eine Unschärfe hervorrufen. Diese lassen sich durch reduzieren der Blende ausblenden. In den Extrembereichen (Offenblende und wenn die Blende sehr weit geschlossen ist), bewirken die optischen Eigenschaften des Objektivs also, dass das Bild unschärfer wird. In teuren Objektiven werden solche Fehler aufwändig minimiert, sodass man sie bedenkenlos über den kompletten Blendenbereich verwenden kann. Bei günstigen Objektiven kann es von Vorteil sein, sie ein wenig abzublenden, aber auch nicht zu weit.

ISO

Basiswissen

Der ISO-Wert drückt die eingestellte Lichtempfindlichkeit des Sensors aus. Hier gilt: Je höher der Wert, desto empfindlicher ist der Sensor. Mit höheren ISO-Werten kann aber auch die Bildqualität ein wenig leiden. Das zeigt sich dann anhand von Bildrauschen, einem gewissen Schärfeverlust und teilweise auch anhand von weniger gesättigten Farben. Du möchtest also probieren den ISO-Wert so niedrig wie möglich zu halten. Mit modernen Kameras kannst du allerding völlig problemlos Wert bis zu ISO 800 einstellen, ohne auffällige Qualitätsverluste zu erhalten.

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Das Rauschen ist hier zur Verdeutlichung übertrieben dargestellt.

Fortgeschrittenen Wissen:

Viel mehr gibt es zum Thema ISO eigentlich nicht zu sagen, da weitere Einsatzbeispiele später gezeigt werden. Soviel sei aber schon verraten: Wenn auf Grund hoher ISO-Werte Rauschen auftritt, hast du hier zwei Arten von Rauschen. Zum einen sogenanntes Luminanzrauschen (also Änderungen in der Helligkeit) und Farbrauschen. Besonders das Farbrauschen lässt sich sehr gut mit Bildbearbeitungsprogrammen reduzieren. Die Entfernung von Luminanzrauschen ist etwas schwieriger, weil durch das Entfernen vom Rauschen meist die Unschärfe im Bild zunimmt. Allerdings solltest du dich in diesem Fall fragen, wie sehr das Rauschen im Bild wirklich stört. Laufe mal mit offenen Augen durch die Straßen und schaue dir große Werbeplakate an. Hier wirst du einige Beispiele finden, in denen man noch einiges an Rauschen erkennt.

Belichtungszeit

Basiswissen

Die Belichtungszeit bestimmt, wie lange Licht auf deinen Sensor gelassen wird. Damit beeinflusst die Belichtungszeit auch die Schärfe in deinem Bild. Denn je länger du belichtest, desto eher wird dein Bild auf Grund von Bewegung unscharf. Dargestellt wird die Belichtungszeit in deiner Kamera meist als Bruch z.B. 1/100 . Das beschreibt, dass in diesem Fall dein Bild eine Hundertstel Sekunde belichtet wird. Bei längeren Belichtungen werden die Sekunden oft mit einem " dargestellt (z.B. 30" bedeutet, dass 30 Sekunden belichtet wird).

Für den Anfang solltest du dir als Faustregel merken dass deine Belichtungszeit nicht länger als der Kehrwert deiner Brennweite sein sollte (bei einem 300mm Objektiv solltest du also maximal eine 1/300s belichten).

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Fortgeschrittenen Wissen:

Manchmal ist die sogenannte Bewegungsunschärfe aber genau das, was wir wollen. So kannst du mittels einer langen Belichtungszeit z.B. dafür sorgen, dass Bewegung sichtbar wird, Wasser ganz glatt wird oder Menschen auf scheinbar magische Art aus deinem Bild verschwinden.

Bewegung sichtbar machen

Du hast bestimmt schon Bilder gesehen, in denen z.B. die Beine von gehenden Menschen verwischt sind. Das macht deutlich, dass sie gerade gehen. Hierfür verwendest du Belichtungszeiten von etwa 1/40s. Oft bewegst du dich hier an der Grenze von der Belichtungszeit, die du noch aus der Hand fotografieren kannst. Ein Stativ kann dir hierbei helfen.

Wasser ganz glatt darstellen und Menschen verschwinden lassen

Für diese Effekte belichtest du das Bild wesentlich länger, meist mehrere Sekunden. Hierfür brauchst du also auf jeden Fall ein Stativ oder eine Ablagefläche für deine Kamera. Wenn du nun den Fluss oder z.B. eine viel begangene Straße fotografierst, wirst du die beschriebenen Effekte auf deinem Bild sehen.

Das Verhältnis von ISO, Blende und Belichtungszeit

Nachdem wir nun die drei wichtigsten Einstellungen in der Fotografie besprochen haben, gehen wir auf das Zusammenspiel dieser Einstellungen anhand einiger Beispiele ein.

Vorab die Faustregeln nochmal zusammengefasst:
Blende: So offen wie möglich, um Vorder- und Hintergrund so unscharf wie möglich zu machen.

Belichtungszeit: Die längste Belichtungszeit sollte maximal dem Kehrwert der Brennweite entsprechen, um aus der Hand scharfe Bilder fotografieren zu können.

ISO: Der ISO-Wert sollte so niedrig, wie möglich sein, damit die Bildqualität so hoch wie möglich ist.

Nun zu den Beispielen:

Beispiel 1

Du möchtest in der Mittagszeit ein Porträt fotografieren, wenn es sehr hell ist und möchtest einen möglichst unscharfen Hintergrund hinbekommen.

Die wichtigen Eigenschaften, die du bei dem Bild haben möchtest, bestimmen hier die Einstellungen. Für den unscharfen Hintergrund stellst du eine möglichst große Blende ein (bspw. f1.8). Zudem möchtest du eine hohe Bildqualität haben und stellst den ISO-Wert so niedrig wie möglich (bspw. ISO100). Da du ein Foto haben möchtest, das genau richtig belichtet ist, bestimmt nun deine Umgebung die Belichtungszeit. Wenn es wirklich hell ist, ist hier eine Belichtungszeit von 1/2000s oder 1/4000s möglich.

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Beispiel 2

Du möchtest einen Sportler im Lauf in der Dämmerung fotografieren und keine Bewegungsunschärfe im Bild haben.

Du wirst schnell feststellen, wie wenig Licht in der Dämmerung nur noch vorhanden ist. Gerade wenn ein Sportler aber schnell läuft, brauchst du eine recht kurze Belichtungszeit. Ich würde dir empfehlen mindestens eine 1/400s zu verwenden, auch wenn es sein kann, dass du hier immer noch Bewegungsunschärfe im Bild hast. Wenn du kannst, gehst du also auf einen noch kürzere Belichtungszeit.

Um so viel wie möglich Licht auf den Sensor zu bekommen, öffnest du auch hier eine Blende so weit wie möglich.

Nun probierst du das perfekte Mittelmaß zwischen der Belichtungszeit und ISO-Wert zu finden. Unter Umständen musst du, um bei einer 1/400s bleiben zu können, auf Werte von ISO6400 oder höher gehen. Das kann zwar die Bildqualität sichtbar mindern, am Ende musst du dich aber fragen: Ist es besser ein scharfes Bild mit ein bisschen reduzierter Qualität zu haben oder ein Bild, das nicht scharf ist, dafür aber eine hohe Qualität hat.

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Beispiel 3

Du willst eine Gruppe fotografieren in einer Halle

Hier ist es wichtig darauf zu achten, dass alle Personen noch möglichst scharf dargestellt sind. Deshalb stellst du einen nicht zu kleinen Schärfebereich ein z.B. mit Blende f8.0. Den ISO-Wert stellst du so niedrig wie möglich, so dass du noch Belichtungszeiten einstellen kannst, mit denen du aus der Hand fotografieren kannst (mögliche Einstellungen hier: ISO 800 Belichtungszeit 1/100s) .

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Das hier ist zwar kein Gruppenbild, aber es gilt das gleiche Vorgehen.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass du deine Einstellungen immer an die gegebene Situation anpassen musst. Dabei hast du immer ein Zusammenspiel aus Blende, Belichtungszeit und ISO. Durch die Gegebenheiten (z.B. das vorhandene Umgebungslicht oder die Art des Fotos, das du erstellen willst bspw. ein Sportfoto) findest du für zwei dieser Einstellungen schnell gute Werte, die du nehmen möchtest. Den dritten Wert kannst du dann von deiner Kamera bestimmen lassen, da diese für solche Situationen mit guten Automatiken ausgestattet sind. Dazu aber in späteren Artikeln mehr.

Mit diesem Wissen kannst du anfangen deine Fotos gezielt zu gestalten. Wenn du aber noch keine Kamera hast, wird es schwer diese Tipp umzusetzen. Was du beim Kamerakauf beachten solltest, kannst du hier nachlesen und sollte dich interessieren womit ich (hauptsächlich) arbeite, findest du diese Infos hier.

Solltest du noch Fragen haben, schreibe sie gerne in die Kommentare. 

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